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von Tamara Schmidt vom Hofe
Eigentlich sollte die diesjährige Tagung des Bundeseltern-verbandes gehörloser Kinder auch dazu genutzt werden, den Grundstein für einen Aktionsplan der Familien zu legen. Einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Menschen-rechtskonvention, wie ihn auch viele Verbände, Bundes-länder und andere Institutionen erarbeiten. Offenbar war den Teil-nehmern dies aber nicht aktiv genug: Das Tagungsmotto:
„Wir mischen mit“ entwickelte seine ganz eigene Dynamik…
Für die entsprechende Aufbruchstimmung sorgte mit ihrem Vortrag zu Beginn der Tagung die Psychologin und Anthropologin Prof. Dr. Ingelore Welpe. An verschiedenen Beispielen ihrer eigenen sozialen Engagements in Südafrika machte sie deutlich, dass Mut und Beharrlichkeit selbst dann zum Ziel führen, wenn ein Projekt aussichtslos erscheint. Um Erfolge zu erzielen, so Prof. Welpe, müsse man „den Elefanten Schritt für Schritt schlachten“. Das sollte heißen:
Kleine Projekte angehen und Ziele setzen, die auch erreicht werden können. „Eltern, die sich für Ihre Kinder einsetzen, sind die Hoffnungsträger der Gesellschaft“.
So gestärkt, sprudelten im Rahm en von „Open Space“ und in Workshops Ideen über Ideen.
Auch sehr konkrete Projekte wurden angestoßen. Zum Beispiel zwei unterschiedliche Schulkonzepte: Eines trägt den Arbeitstitel „Europaschule“ und hat die umgekehrte Inklusion zum Ziel:

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Förderschulen sollen sich für hörende Kinder öffnen und zu bilingualen Schulen werden.
Ein bilingualer Unterricht in Deutscher,
Laut- und Gebärdensprache soll die Lerninhalte für alle Schüler zugänglich machen.
Das Positionspapier des Bundeseltern-verbandes gehörloser Kinder liefert
für dieses Schulkonzept die gedankliche Vorlage. Eine Arbeitsgruppe wird in einem Bundesland einen Modellversuch anstoßen und dazu gleich noch eine europäische Partnerschule suchen. Perfekt!
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Das zweite Schulprojekt kommt aus Rheinland-Pfalz: Dort möchte sich ein Gymnasium mit angeschlossenem Internat für taube Kinder öffnen und ihnen den Weg von der 5. bis zur 13. Klasse auf einer Regelschule ermöglichen. Der stellvertretende Schulleiter und der Verwaltungsleiter kamen nach Duderstadt, um sich zu informieren, welchen konkreten Bedarf es gibt, wie der Unterricht gestaltet werden soll und welche Besonderheiten es zu beachten gibt. Bereits ab dem Schuljahr 2013 könnten die ersten Schüler aufgenommen werden so der Plan.
„Inklusion durch Kunst“ war ein spontaner Einfall. Die Idee: Durch Kunst erreicht man die Öffentlichkeit. Diese wird dann auf Gehörlose aufmerksam und natürlich auch auf die Gebärdensprache und deren Schönheit. Es gab tolle Anregungen, z. B.:
- Musik in der Früherziehung von gehörlosen Kindern einzusetzen
- Workshopangebote (Klangerfahrung, Musik spüren, Instrumente lernen...)
- Summer Camp (Deaf Music) für gehörlose und hörende Jugendliche. Gemeinsam soll ein Lied erarbeitet werden, dass am Ende in Form von Gebärdensprachpoesie, Gebärdensprachtheater, mit Musikinstrumenten und durch Tanz vorgestellt wird.
Damit nicht genug: Der Wunsch, die Öffentlichkeit auf die Schönheit
und Notwendigkeit der Gebärdensprache aufmerksam zu machen,
war deutlich zu spüren. So entstanden die Ideen
- im Dezember dieses Jahres in einer bekannten Möbelhauskette in allen deutschen Filialen eine Gebärden-Aktion zu starten
- eine „Brieflawine“ an Ministerien und Behörden zu versenden
- eine weitere „Türkisparade“ zu veranstalten
- eine Facebook-Gruppe zu eröffnen
- Überall, wo es irgendwie möglich ist, mit Infoständen auf die Kultur und Bedürfnisse gehörloser Kinder aufmerksam zu machen
Wie wichtig dieser letzte Punkt ist, zeigte einmal mehr der Samstag,
der traditionell Raum für Erfahrungsberichte der Eltern lässt.
Die Erzählung einer Mutter rührte einige der Teilnehmer zutiefst, obwohl sie kein Einzelfall ist: Weil der behandelnde Arzt ihrer kleinen Tochter sie mit medizinischer Logik zu überzeugen versuchte, dass es bald keine gebärdenden Kinder mehr geben wird, hatte sie sich im Grunde bereits für eine CI-Implantation entschieden. Nach dem Wochenende in Duderstadt war sich diese Mutter allerdings gar nicht mehr sicher…
Die Kinder hatten bei schönstem Wetter in ihren Gruppen viel Spaß, ob auf dem Tagungsgelände, im Freibad oder auf dem Indoorspielplatz in Göttingen.
Ein Highlight war sicherlich der
„Sign-Mob“ in Duderstadt am Freitag-vormittag, den 3. Juni. Alle Kinder und Jugendlichen trafen sich scheinbar zufällig und machten die Passanten mit Plakaten und durch ihre Zeichnungen auf dem Pflasterstein auf sich aufmerksam.
Bericht im Göttinger Tageblatt: LESEN!
Am Samstag wurden sie mit einer Sitzkissenlesung
„Wie Findus zu Pettersson kam“ für diese tolle Aktion belohnt.
Das „Göttinger Tageblatt“ hat einen Artikel über die Lesung veröffentlicht. Ihr könnt ihn hier LESEN!
Weitere Infos zu Findus und Pettersson finden Sie unter Wissenswert / Buchvorstellungen: HIER NACHSCHAUEN!
Es war schön zu sehen wie viele Eltern mit sehr kleinen Kindern, deren Hörschädigung früh erkannt wurde, die Tagung zur Orientierung nutzten und wie unkompliziert hörende und gehörlose Eltern miteinander kommunizieren konnten.
Auch die Eltern mit CI-versorgten und schwerhörigen Kindern fühlten sich sichtlich wohl, was den Bundeselternverband „gehörloser“ Kinder natürlich sehr freut. Es scheint, als trage der Inklusionsgedanke bei
uns bereits saftige Früchte.
Tamara Schmidt vom Hofe, 16. Juni 2011
Dieser LINK führt Sie zu Berichten von vorangegangenen TAGUNGEN
Gruppenfoto der Tagungsteilnehmer als Plakat: HIER!
Einen Bericht über unsere Tagung finden Sie auch in der
Juli-Ausgabe 2011 „Das Zeichen“! LESEN!
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